Solidarity Federation: Rückblick auf 5 Monate Aktionen in Brighton

Eine Zusammenfassung der Aktivitäten seit Jahresanfang 2018, welche die aktuellen Fälle bis Mai 2018 darstellt:

Nachdem die Basisgewerkschaft Solidarity Federation (SF-IAA) Brighton 2017 viel beschäftigt war, was zu einigen Erfolgen geführt hatte, sieht es so aus als ob sie 2018 noch umtriebiger wird. In den ersten fünf Monaten des Jahres haben sie in der südenglischen Stadt viele Fälle bearbeitet, sowohl mit ihrer Mieter*innen-Gewerkschaft, wie auch bei Arbeitskonflikten.

Brighton SolFed-IWA (G4Lets campaign)

Wenn man sich einer so großen Aufgabe stellt, wie sie es getan haben, dann entsteht immer der Eindruck, man hätte noch viel mehr tun können. Dabei werden die geführten Kämpfe allzu schnell wieder vergessen. Aus diesem Grund hält es die SF-IAA Brighton für wichtig, ihre Aktionen aufzulisten und auf einige der bisherigen Ergebnisse hinzuweisen. Zumindest lässt sich damit verdeutlichen, dass der Widerstand gegen abkassierende Vermieter*innen und ausbeutende Chefs auch gewonnen werden kann, wenn er gemeinsam geführt wird.

Das Jahr hatte begonnen mit dem erfolgreichen Ende eines langandauernden Konfliktes beim „Café Plenty“, wo nach mehreren Protestkundgebungen Ende 2017 die Zahlung eines Großteils des vorenthaltenen Lohns von fast 8.500 Euro durchgesetzt werden konnte. Das macht Mut für‘s kommende Jahr. (http://solfed.org.uk/brighton/brighton-solfed-in-dispute-with-cafe-plenty-over-outstanding-pay)

Neben „Café Plenty“ wurden auch zwei weitere Fälle vom Vorjahr weitergeführt – einer davon ein Wohnraumkonflikt mit der Mietagentur „G4 Lets“, der im März erfolgreich beendet wurde. Die Mieter*innen konnten mit Hilfe der SF durch eine Auflistungskampagne beweisen, dass die Agentur gegen die lokalen Gesundheitsvorschriften verstoßen hatte. Damit hatten die Bewohner*innen ein ausreichendes Druckmittel gefunden und beschlossen zum Erreichen ihres Zieles lieber den anscheinend erfolgsversprechenden Rechtsweg einzuschlagen, anstatt direkte Aktionen durchzuführen. Die Anarchosyndikalist*innen der Solidarity Federation wünschten den Mieter*innen daraufhin viel Erfolg mit ihrem neu eingeschlagenen Kurs.

G4Lets poster (SF)

In diesem Zusammenhang hatten sie auch einen gutbesuchten Workshop zum Mietrecht organisiert, bei dem es speziell um die Probleme von Mieter*innen bei „G4 Lets“ ging, welche zu den größeren Zimmervermittlungen für Studierende in Brighton gehört. Nach Beendigung des Konfliktes hatten mehrere Mieter*innen von „G4 Lets“ Kontakt zur SF Brighton aufgenommen und sich beraten lassen. Daraufhin bekam eine Gruppe Mieter*innen ihre Kautionen zurückgezahlt.

Bei dem anderen Fall, den sie seit 2017 betreuen, handelt es sich um „Youngs“. Dabei geht es um einen Mieter, der wegen schwerem Schimmelpilzbefall sein Schlafzimmer monatelang nicht nutzen konnte. Er hat selbst eine Menge Geld und Zeit aufgewendet, um die Schäden zu beheben, da ihm versprochen worden war, dass er alles erstattet bekäme.

Dieser Konflikt hat die SF Brighton auch dieses Jahr maßgeblich beschäftigt. Im Januar gab es eine Demo zu der Agentur, um Stärke zu zeigen gegen solch ein Verhalten. Der Fall ist noch nicht beendet, da seitens der Agentur und des Vermieters der Streit weiter eskaliert wurde, unter anderem durch einen Räumungsversuch als Bestrafung für den widerständigen Mieter. Und kürzlich kam es auch noch zu Gewalttätigkeiten gegenüber Mitgliedern der Gewerkschaft.

Die SF hat den Konflikt auf die Vermittlungsagentur „Halls“ ausgeweitet, welche Büroräume an „Youngs“ vermietet, wobei gefordert wird, dass diese nun selbst geräumt werden sollen. Die Solidarity Federation ist fest entschlossen sich nicht kleinkriegen zu lassen und führt daher ihre Kampagne verstärkt fort.

SF-IWA Brighton housing union

Neben diesen großen Fällen haben sie sich in den vergangenen Monaten aber auch um kleinere Angelegenheiten gekümmert. Im Februar wurde ein Konflikt mit einer der eher genossenschaftlichen Vermittlungsagenturen in der Stadt begonnen, nachdem diese u.a. eine Mietkaution teilweise zurückgehalten hatte. Trotz der Versuche dieser Agentur die Gewerkschaft mit juristischen Mitteln einzuschüchtern, konnte die Ausweitung der Kampagne das gewünschte Ergebnis erreichen, sodass der Mieterin ihre Kaution, wie gewünscht ausgezahlt wurde.

Zudem gab es noch einige kürzere Auseinandersetzungen, wie das Erreichen der Auszahlung von über 1.300 Euro ausstehender Löhne in einem Sushi-Restaurant, nachdem nur eine einzige Kundgebung vor dem Laden durchgeführt wurde. Oder der Sieg im Arbeitskampf mit einer großen Hotelkette ebenfalls nach der ersten Protestversammlung (darüber wurde noch nicht berichtet, da es erst kürzlich stattgefunden hat). Und schließlich das Erkämpfen von mehr als 1.000 Euro Schulden von einer örtlichen Reinigungsfirma, nur durch Androhung einer Kundgebung.

Doch das Ziel geht über die Hilfe in Einzelfällen und den erfolgreichen Abschluss hinaus: Als anarchosyndikalistische Gewerkschaft will die SF-IAA eine Kultur der Solidarität und Widerständigkeit zwischen den Arbeiter*innen aufbauen. Jeder Kampf, der am Ende gewonnen wird, ist ein Schritt in Richtung dieses Zieles. Denn er zeigt, dass wir gegen die Chefs und Vermieter*innen gemeinsam etwas erreichen können. Doch auch Konfikte, die nicht zu einem klar erkennbaren Sieg führen, wie die Kampagne gegen „G4Lets“, sind wichtig für den Aufbau von Solidarität und Widerstand. Sie vermitteln den Makler*innen ein deutliches Zeichen, dass die Gewerkschaft sogar in schwierigen Fällen zu einer monatelangen Kampagne bereit ist.

organize resistance (SF-IWA)

Durch diesen Kampf wird auch unabhängig von den Erfolgsaussichten den Vermieter*innen und Vorgesetzten klar gemacht, dass sie in Brighton mit ihrem Verhalten nicht mehr einfach so davonkommen. Und nichts ist erfreulicher als die Danksagungen in E-Mails, die die SF gelegentlich von Mieter*innen oder Arbeiter*innen erhalten, in denen sie mitteilen, dass es möglich war ein Problem mit der Wohnung oder am Arbeitsplatz dadurch zu lösen, dass damit gedroht wurde, die Solidarity Federation um Unterstützung zu bitten.

Neben alldem haben sie seit Jahresbeginn auch eine Menge Spendenaktionen und eine regelmäßige Filmreihe (mit der Serie „Trouble“ von „sub.media“) durchgeführt, sowie ihre Mitgliederzahl weiterhin angesteigen lassen. Die Gewerkschafter*innen organisieren sich weiterhin an ihren Arbeitsplätzen, wobei sie oftmals Fähigkeiten, Selbstvertrauen und Taktiken für sich selbst anwenden konnten, die sie in den genannten Fällen erworben hatten. Damit festigen sie die längerfristige Stärke im Betrieb, ebenso wie die Kultur des gemeinsamen Protestes zur Verbesserung der eigenen Lebensumstände.

Alles in allem verspricht dadurch der Rest des Jahres gut zu verlaufen, denn die SF -IAA arbeitet weiter daran, den Anarchosyndikalismus in Brighton Wirklichkeit werden zu lassen, indem sie den Kampf mit den Chefs und Vermieter*innen aufnimmt. Denn die Gewerkschafter*innen lassen sich nicht vertreiben und wollen damit auch nicht so schnell wieder aufhören!

Quelle: http://www.iwa-ait.org/content/brighton-solidarity-federation-first-five-months-2018

Übersetzung: Anachosyndikalistisches Netzwerk – ASN Köln
CC: BY-NC (anarchosyndikalismus.blogsport.de)

Einige Videos:

„G4 Lets campaign“
https://vimeo.com/255415633

„Youngs agency: No revenge evictions“ (13.01.2018)
https://vimeo.com/268883781

„Safe conditions – no evictions: Life a a tenant of Youngs letting agency“ (09.05.2018)
https://vimeo.com/268885258,
https://vimeo.com/273319898,
https://vimeo.com/273696411,
https://vimeo.com/276276202