Category Archives: Antisexismus

Britannien: Gemeinsam gegen Transfeindlichkeit

Ende Juli wurde in Liverpool eine Protestaktion organisiert, die sich gegen die in den Medien verbreitete Ablehnung und Aggression gegenüber Trans*personen richtete. Vor dem Gebäude der Rundfunkanstalt BBC in der der Hafenstadt im Nordwesten Englands hatte die lokale Basisgewerkschaft der „Solidarity Federation“ (SF-IAA) zu einer Kundgebung mobilisiert.

Unterstützt wurden sie dabei von der Menschenrechtsinitiative „United We Stand – Solidarity Network„. Die Versammlung richtete sich gegen die überwiegend transphobe Ausrichtung des öffentlich-rechtilchen Rundfunks im Vereinigten Königreich.

Anlässe war u.a. das Verbot für Mitarbeiter*innen an einer TransPride-Parade teilzunehmen, welches vom BBC-Generaldirektor erlassen wurde. Außerdem wurden in einem Flugblatt zahlreiche Beispiele für die Diskriminierung von Trans*personen und die Leugnung ihrer Geschlechtsidentitäten im Sendeprogramm der BBC aufgelistet.

Die Kundgebung verwies auch darauf, dass in den vergangenen fünf Jahren die Anzahl der trans*feindlichen Straftaten in Britannien um das Vierfache angestiegen ist. Um so wichtiger ist es, dass sich Protest dagegen regt, dass ein öffentlicher Sender diesem menschendfeindlichen Hass immer wieder ein Forum bietet.

Murray Bookchins Erbe: Eine syndikalistische Kritik

Am 15.01.2021 jährte sich zum 100. Mal der Geburtstag von Murray Bookchin und vielleicht ist sein Beitrag zu radikaler Politik eine nähere Betrachtung wert:

Bookchin hatte sich in den 1930ern der kommunistischen Jugendbewegung angeschlossen, später jedoch die offiziellen marxistischen Organisationen verlassen und sich dem freiheitlichen Sozialismus zugewendet. Ein zentraler Punkt seiner Politik seit den Sechzigern Jahren bis an sein Lebensende [2006] war die Gegnerschaft zur Ausrichtung auf den Arbeiter*kampf, welcher im Syndikalismus und bei vielen Anarchist*innen – aber auch bei Marxist*innen – im späten 19. Jh. und frühen 20. Jh. im Mittelpunkt stand.

Logo der Workers' Solidarity Federation (WSA)

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Generalstreiks und heftigen Straßenkämpfe von Arbeiter*innen nur noch verblasste Erinnerungen. In den Nachkriegsjahren festigte sich in den Gewerkschaften eine konservative Bürokratie. In der amerikanischen Arbeiter*klasse gab es in den 1960ern keine „kämpferische Minderheit“ mehr aus radikalen Arbeiter*innen, welche seit Anfang des Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die amerikanischen Betriebe geprägt hatte. Dies führte dazu, dass einige Radikale sich auf die Suche nach einem neuen „Subjekt“ des revolutionären Wandels machten. Und Bookchin stand beispielhaft für diese Denkweise: Continue reading Murray Bookchins Erbe: Eine syndikalistische Kritik

Spanien: Proteste am Internationalen Frauen*tag

In mehreren Städten haben sich am 08. März 2021 zahlreiche Arbeiterinnen der anarchosyndikalistischen CNT-IAA an kämpferischen Aktionen, Kundgebungen, Streiks und Protesten zum Weltfrauen*tag beteiligt.

So gingen sie u.a. in Alicante, Cartagena, Granada, Madrid, Murcia und Tarragona auf die Straßen, um gegen patriarchale und kapitalistische Ausbeutung und sexistische Unterdrückung zu kämpfen. Solidarische Unterstützung erhielten sie dabei auch von Trans*personen und männlichen Gewerkschaftern.

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Häusliche Gewalt als Thema am Arbeitsplatz

Die britische Solidarity Federation Liverpool (SF-IAA) hat am 17.02.2021 folgenden Text veröffentlicht:

Im Vereinigten Königreich erlebt jede dritte Frau* und 2,5 % aller Männer* in ihrem Leben häusliche Gewalt. Ein Fünftel der berufstätigen Frauen* musste deswegen eine Auszeit nehmen, doch nur 5% aller Arbeitgeber*innen bieten spezielle Maßnahmen, um häusliche Gewalt zu thematisieren und die Mitarbeiter*innen zu unterstützen.
Foto: Vanessa Gor / WikimediaCommons
Momentan wird darüber diskutiert, die entsprechende Gesetzgebung (Domestic Abuse Bill) wegen ihrer Definition von Missbrauch zu überarbeiten. Sie soll nun auch wirtschaftlichen und finanziellen Missbrauch umfassen, um anzuerkennen, dass es den Betroffenen unmöglich ist ihr Geld zu verwalten, solange sie von ihren Missbraucher*innen abhängig sind. Das neue Gesetz mag zwar gut gemeint sein, greift jedoch zu kurz. Wir haben keine Zeit, um auf seine Verabschiedung zu warten. Oder darauf, dass Gelder und Mittel bei den Kommunen ankommen. Eine Auflistung derjenigen, die trotz dieses Gesetzes ungeschützt bleiben, wäre endlos.

Für einige Leute kann eine Flucht aus dem Missbrauch Obdachlosigkeit oder sogar Abschiebung bedeuten. Den Frauen* ohne Zugang zu öffentlichen Fördergeldern (Asylsuchende und Migrant*innen ohne Papiere) wird der Zugang zu Notunterkünften verweigert, wenn sie versuchen ihren Missbraucher*innen zu entfliehen und sie bekommen weder eine Wohnung, noch Hilfsgelder. Die Polizei tauscht zudem alle Informationen über den Migrationsstatus von Opfern mit dem Innenministerium aus, um die Einwanderung zu kontrollieren. Nicht-weiße (black and minority ethnic), migrantische, behinderte, queere (LGBTQIA) und erwerbslose Frauen* sind jetzt und in Zukunft einem höheren Risiko der Vernachlässigung ausgesetzt und werden zudem für ihr Unglück verantwortlich gemacht.

Zudem erschwert eine Mischung aus schlechten Arbeitsbedingungen und Sexismus am Arbeitslatz den Opfern und Überlebenden von Misshandlung den Zugang zu den benötigten Hilfen und Unterstützungsleistungen. Wenn wir also Solidarität am Arbeitsplatz schaffen wollen, so müssen wir uns der Tatsache bewusst sein, dass unsere Kolleg*innen möglicherweise zuhause von Gewalt betroffen sind. Und wir dürfen auch nicht die Anzeichen übersehen, falls ein*e Kolleg*in selbst Missbraucher*in ist. Continue reading Häusliche Gewalt als Thema am Arbeitsplatz

Aufruf zum Frauenstreik am 08.03.2019 (CNT-IAA Granada)

Die Feministische Sektion der Basisgewerkschaft CNT-IAA Granada (Spanien) wird dieses Jahr anlässlich des Frauenstreiks am 08. März wieder auf die Straße gehen und lädt dazu alle Frauen* und nicht cis-gendernormative Personen [wie Transfrauen und Intersexuelle] auf, daran teilzunehmen.

CNT-IAA Granada: Frauenstreik 08.03.2019

Als Anarchosyndikalistinnen* sehen sie den Streik als eine außergewöhnliche Kraft an, um die täglichen Ungerechtigkeiten sichtbar zu machen und das System von Herrschaft ins Wanken zu bringen, welches durch die Verbindung von Klassenverhältnissen mit der strukturellen Gewalt offensichtlich wird.

Der Streik am 08. März wird kein gewöhnlicher Streik, sondern ein feministischer sein, der neue Sichtweisen auf die bisherigen Kämpfe eröffnet. Zudem zeigt er auf, daß Frauen* und nicht-cis-gendernormative Personen diejenigen sind, welche mit einem noch niedrigeren und noch weiter ungesicherten Status im kapitalistischen System und in der patriarchalen Gesellschaft konfrontiert werden. Sie werden zu Opfern gemacht und erfahren durch ihre Körper bzw. Identitäten die ganze Gewalt des Systems auf allen Ebenen.
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IAA: Für eine größere Beteiligung von Frauen in unserer Bewegung!

Anlässlich des Internationalen Frauentags [08. März] möchten wir die problematischen Themen ansprechen, von denen Frauen unverhältnismäßig oft am Arbeitsplatz betroffen sind, um damit effektiver umzugehen und die Teilnahme von Frauen in unserer Bewegung zu fördern.

Im Gespräch mit Genoss/innen innerhalb und außerhalb der anarchosyndikalistischen Bewewegung müssen wir feststellen, dass wir weit davon entfernt sind, einen organisierten Umgang zur Bekämpfung des Sexismus an unseren Arbeitsplätzen zu haben. Bei einer kürzlich stattgefundenen anarchafeministischen Konferenz wurde während eines Workshops zum Thema „Organisierung am Arbeitsplatz“ festgestellt, dass viele Frauen zwar ähnliche Beschwerden und Erfahrungen am Arbeitsplatz haben, aber nur wenige von ihnen sich zu diesen Themen in ihren Betrieben organisieren. Und nur wenige sind Mitglied in einer Gewerkschaft, sowohl bei traditionellen, wie bei alternativen.

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