Gegen Ausbeutung bei der Wiener Secession

Das Wiener Arbeiter*innen-Syndikat (WAS-IAA) informiert:

„Alle Geringfügig Beschäftigte der Secession aus dem Bereich Kassa/Aufsicht/Shop haben sich zusammengeschlossen, da die Arbeitsbedingungen dort schon lange nicht mehr zumutbar sind. Seit Wochen verhandelt das WAS mit der Geschäftsführung, die in wesentlichen Punkten jetzt aber auf Stur geschalten hat.

Wir rufen deshalb zu einer Kundgebung gegen Ausbeutung, Lohnraub und die Verletzung von Arbeitsrecht vor der Wiener Secession auf. Am Freitag, den 19. November pünktlich um 18.30 Uhr, Friedrichstraße 12, 1010 Wien, währen der Eröffnung der neuen Ausstellung.Die Wiener Secession, welche allein durch Ihre Eintrittsgelder und Museumsshopeinkäufe an einem einzigen durchschnittlichen Samstag an die 4500 Euro einnimmt, die von Österreichs vermutlich größtem Kreditinstitut, der Ersten Bank, einer seitenlangen Liste von Mitgliedern und FörderInnen, und nicht zuletzt der Arbeiterkammer höchstselbst finanziert wird, hält es für notwendig ihren Arbeitskräften die Löhne vorzuenthalten.

Seit dem ersten Lockdown im März 2020 schreiben die Geringfügig Beschäftigten der Bereiche Kassa/ Aufsicht/ Shop mit jedem Mal, wenn die Regierung eine Schließung des Museums veranlasst, sogenannte „Minusstunden“ für die Zeit, in der sie entsprechend nicht zur Arbeit erscheinen konnten. Nachdem der gesamte(!) Jahresurlaub sowie angehäufte Zeitguthaben von bis zu über 100 Stunden von den Lockdowns gefressen wurden, wurden die Geringfügigen also von der Secession zum „Nacharbeiten“ dieser Stunden verpflichtet. Bei manchen der Geringfügigen führte das zu Monaten mit an die 70 Stunden Monats-Arbeitszeit – bei einem Gehalt von nicht einmal 450 Euro im Monat.

Zur Info: es gibt für angeordnete Minusstunden keine Rechtsgrundlage, sprich sie sind illegal. Genauso wie es illegal ist, einen vollständigen Jahresurlaubsanspruch für einen Krisenfall einzuziehen oder überhaupt erst Zeitguthaben von über Hundert Stunden anzuhäufen ohne dass diese je ausbezahlt oder in Freizeit abgebaut werden würden.

Aber das Ganze hat – und hatte auch vor der Pandemie bereits – System. Begründet wurde diese gesetzeswidrige Ausbeutung Anfang 2020 damit, man habe „Arbeitsplätze retten wollen“. Tatsächlich aber wurden dennoch Mitarbeitende gekündigt, plus eine Vollzeitstelle durch weitere prekäre Geringfügige ersetzt. Weiters sind die Stellen im Bereich Kassa/ Aufsicht/ Shop vor – wie nach – der Pandemie dermaßen chronisch unterbesetzt geblieben, dass es im Haus als normal und notwendig gilt, Angestellte in Krankheitsfällen aus dem Urlaub zu holen oder selbst kranke Angestellte dazu anzuhalten, sich um den eigenen Ersatz zu kümmern, um krank sein zu dürfen.

In anderen Worten also: Die Wiener Secession, über oben genannte Einkommensquellen verfügend und während des Krisenjahres staatlich unterstützt, fand sich nicht bloß schlau dabei, die Folgen der Pandemie an den einerseits schwächsten, andererseits kapitalerträglichsten (Kassa und Shop machen ca. die Hälfte der Einnahmen aus) und dem höchsten Infektionsrisiko ausgesetzten Angestellten auszulassen. Sie fand sich außerdem noch viel schlauer, als sie sich selbst, den betroffenen Angestellten, und schließlich der Öffentlichkeit das Ganze auch noch als Gefallen verkaufte.

Das Motto der Secession: „Der Zeit ihre Kunst/ Der Kunst ihre Freiheit“ ist hinsichtlich der Monate an Lebenszeit, die diese Institution ihren Angestellten gestohlen hat, blanker Zynismus. Das kuratorische Profil des Hauses, gleich dem „Moria“-Banner über dem Haupteingang vom Mai 2020 – nichts als buchstäbliche Fassade.

Die Secession, die sich mit Rückgriff auf ihre Geschichte gerne alternativ und gegen Bürgerlichkeit und Konservativismus inszeniert, hat bis auf die Bestätigung des Klischees, Bildende Kunst interessiere sich bloß für Reiche, alles verraten, für das ihre Exponate stehen sollen.

Es ist für uns als herrschaftsfreie Gewerkschaft klar, dass diese Zustände unannehmbar sind. Noch dazu, weil die Secession bisher auf stur schaltet und nicht einmal die gesetzlich gedeckten Ansprüche der Geringfügig Beschäftigten vollumfänglich erfüllen will.

Unsere erste Kundgebung vor der Wiener Secession findet während der Eröffnung der neuen Ausstellung statt. Viele Wichtigmenschen aus Kunst und Kultur werden anwesend sein, und es handelt sich um die erste Ausstellungseröffnung unter dem neuen Vorstand. Wir nehmen die fortwährenden Ausbeutung der Schwächsten durch den Kunstmarkt nicht hin, speziell wenn nicht einmal die eigenen gesetzlichen Minimalstandards eingehalten werden. Wir fordern alle klassenbewussten ArbeiterInnen auf, uns zu unterstützen!

Ein Angriff auf Eine ist ein Angriff auf alle!

Es gibt zusätzlich auch die Möglichkeiten, telefonisch gegen die Ausbeutung in der Secession zu protestieren: Von Montag bis Freitag von 10-17 Uhr sind
die Geschäftsführung unter der Nummer +43-1-587 53 07-24
sowie ihre Assistenz unter der Nummer +43-1-587 53 07-11
persönlich zu erreichen.

Hinweis: Die Kundgebung findet auch statt, falls es zuvor zu einer Einigung kommt, dann als Feier-Kundgebung und mit Verbreitung der Information, dass es zu einer Einigung gekommen ist.“

Quelle: https://wiensyndikat.wordpress.com/2021/11/17/gegen-ausbeutung-bei-der-wiener-secession/